Ich war nicht ganz aufrichtig zu dir.
Wir haben es geklärt, wir wollen nicht, dass zwischen uns mehr
passiert als das, was schon passierte. Wir sind uns einig. Ich sagte,
ich würde es seltsam finden, wenn es passieren würde – an dieser
Stelle fehlen Informationen.
Tatsächlich glaube ich, dass eine
„friends with benefits“-Sache recht gut funktionieren kann. Ich
habe schon oft genug am eigenen Leib erlebt, dass es die Freundschaft
eher noch intensiviert ohne etwas kaputt zu machen und ohne dass
einer der Beteiligten dabei verletzt wird. Sicherlich kommt auch so
etwas vor, aber größtenteils halte ich es für ein
Hollywoodklischee.
Zudem, und das habe ich dir sogar
gesagt, bist du durchaus sexuell attraktiv für mich. Wie ich dir
auch schon mitteilte, gehörst du zu den attraktivsten Personen, die
ich kenne, und ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, wie es
wohl wäre.
Warum habe ich dennoch keine Anstalten
gemacht etwas zu ändern oder mehr in diese Richtung zu investieren,
wenn die körperliche Anziehung gegeben ist und wenn ich davon
ausgehe, dass ich mit einer lockeren Sache umgehen kann?
Weil ich befürchte, dass du im
Gegensatz zu mir nicht damit umgehen kannst... ich habe aus zweiter
Hand zu viel Drama in deinem Leben erlebt, zu viel Zerdenken von
guten Entwicklungen, zu viel zerbrochenes Glas. Und, auch wenn das hart
klingen mag, zu viele reine Lippenbekenntnisse zu nicht-klassischen
Beziehungsmodellen und offenen Geschichten, hinter denen sich dann
doch wieder Eifersucht und besitzergreifende Gedanken verbargen und die fehlende Bereitschaft die Sache etwas lockerer anzugehen.
An der Stelle kommen wir dann doch
wieder in den Klischeebereich des „Etwas kaputt machens“, denn
ich will nicht, dass das, was momentan zwischen uns ist, zerstört
wird. Die Freundschaft ist mir wichtiger als sexuelle Kompatibilität.
So lange du die Angst in dir trägst,
dass eine körperlichere Komponente unserer Freundschaft und Nähe
ein Ende setzen wird, so lange werde ich nichts in der Richtung
unternehmen, da die Angst eine sich selbst erfüllende Prophezeiung
ist.
So lange du ein überdramatisierendes,
unentspanntes Verhältnis zu Sex in all seinen Spielarten hast, so
lange könnte ich nicht guten Gewissens diesen Weg mit dir zusammen
beschreiten. Die Erfahrung der Vergangenheit hat mich gelehrt in
solchen Fällen meinem Bauchgefühl zu vertrauen.
Wie kommt es bloß, dass Menschen aus
dieser so einfachen und angenehmen Sache, die entspannt, erfreut und
befriedigt und zusätzlich Selbstbestätigung und Nähe schenkt,
etwas schrecklich Kompliziertes machen?
Dies ist nur eine Erklärung, das
mitschwingende Bedauern ist vorhanden, aber nicht dominierend, denn
ich bin mit dem Status Quo sehr zufrieden. Dennoch ist dies eine
Erklärung, die ich dir wahrscheinlich niemals so geben kann. Da sie
dennoch aus meinem Schädel heraus will, schreibe ich sie nieder und
platziere sie hier, wo sie ohnehin nicht gelesen wird.
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