Dienstag, 4. November 2014

Erklärung

Ich war nicht ganz aufrichtig zu dir. Wir haben es geklärt, wir wollen nicht, dass zwischen uns mehr passiert als das, was schon passierte. Wir sind uns einig. Ich sagte, ich würde es seltsam finden, wenn es passieren würde – an dieser Stelle fehlen Informationen.

Tatsächlich glaube ich, dass eine „friends with benefits“-Sache recht gut funktionieren kann. Ich habe schon oft genug am eigenen Leib erlebt, dass es die Freundschaft eher noch intensiviert ohne etwas kaputt zu machen und ohne dass einer der Beteiligten dabei verletzt wird. Sicherlich kommt auch so etwas vor, aber größtenteils halte ich es für ein Hollywoodklischee.
Zudem, und das habe ich dir sogar gesagt, bist du durchaus sexuell attraktiv für mich. Wie ich dir auch schon mitteilte, gehörst du zu den attraktivsten Personen, die ich kenne, und ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, wie es wohl wäre.

Warum habe ich dennoch keine Anstalten gemacht etwas zu ändern oder mehr in diese Richtung zu investieren, wenn die körperliche Anziehung gegeben ist und wenn ich davon ausgehe, dass ich mit einer lockeren Sache umgehen kann?

Weil ich befürchte, dass du im Gegensatz zu mir nicht damit umgehen kannst... ich habe aus zweiter Hand zu viel Drama in deinem Leben erlebt, zu viel Zerdenken von guten Entwicklungen, zu viel zerbrochenes Glas. Und, auch wenn das hart klingen mag, zu viele reine Lippenbekenntnisse zu nicht-klassischen Beziehungsmodellen und offenen Geschichten, hinter denen sich dann doch wieder Eifersucht und besitzergreifende Gedanken verbargen und die fehlende Bereitschaft die Sache etwas lockerer anzugehen.
An der Stelle kommen wir dann doch wieder in den Klischeebereich des „Etwas kaputt machens“, denn ich will nicht, dass das, was momentan zwischen uns ist, zerstört wird. Die Freundschaft ist mir wichtiger als sexuelle Kompatibilität.

So lange du die Angst in dir trägst, dass eine körperlichere Komponente unserer Freundschaft und Nähe ein Ende setzen wird, so lange werde ich nichts in der Richtung unternehmen, da die Angst eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist.

So lange du ein überdramatisierendes, unentspanntes Verhältnis zu Sex in all seinen Spielarten hast, so lange könnte ich nicht guten Gewissens diesen Weg mit dir zusammen beschreiten. Die Erfahrung der Vergangenheit hat mich gelehrt in solchen Fällen meinem Bauchgefühl zu vertrauen.

Wie kommt es bloß, dass Menschen aus dieser so einfachen und angenehmen Sache, die entspannt, erfreut und befriedigt und zusätzlich Selbstbestätigung und Nähe schenkt, etwas schrecklich Kompliziertes machen?

Dies ist nur eine Erklärung, das mitschwingende Bedauern ist vorhanden, aber nicht dominierend, denn ich bin mit dem Status Quo sehr zufrieden. Dennoch ist dies eine Erklärung, die ich dir wahrscheinlich niemals so geben kann. Da sie dennoch aus meinem Schädel heraus will, schreibe ich sie nieder und platziere sie hier, wo sie ohnehin nicht gelesen wird.

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