Mittwoch, 5. November 2014

Die Sache mit der Fantasie

Kennt man das? Man ist irgendwie in angeregter Stimmung und will Fantasien und Träume ausleben oder sich ihnen zumindest geistig hingeben, doch entweder sind es zu viele auf einmal um sich auf etwas zu einigen oder es gibt unbekannte andere Gründe, die verhindern, dass man sich fallen lassen kann. Ist es der Alltagsstress, der die Stimmung unterdrückt? Sind es unausgesprochene Konflikte mit anderen Menschen, die sich immer wieder in den Vordergrund des Bewusstseins drängen? Ist es die Überreizung durch allerlei Eindrücke von außen, die die Gedanken abstumpfen oder davon schwemmen? Ist es wirklich schon so weit gekommen, dass eine Liste der unanständigen Fantasien angelegt werden muss, als ob man die Einkaufsliste für den wöchentlichen Lebensmittelkauf plant?
Nun ja, was für Nudeln, Milch und Brot funktioniert, kann für andere körperliche Bedürfnisse ja nicht schaden. Also versuchen wir uns doch einfach mal daran.

Hm, nach zwanzig Minuten intensiven Starrens auf Bildschirm und Tastatur steht fest, dass es offenbar sogar schwer ist, mit sich selbst über seine unanständigen Fantasien und Wünsche zu konferieren. Soviel dann zur Offenheit und Lockerheit heutiger Menschen... Ein weiterer Ruck ist wohl notwendig um vorsichtig mit der Liste zu beginnen.

Ein großes Spiel in einer Gruppe.
Eine ganze Wohnung wird zur Spielwiese. Menschen vergnügen sich auf verschiedene Arten miteinander, aneinander, durcheinander. Wechselnde Partner, fehlende Berührungsängste, eine Situation, in der jeder und jede die Wünsche ausleben kann, die man nicht zu offenbaren wagte. Die Menschen der Antike mögen erblassen angesichts dieser Orgie.

Eine Frau, viele Männer.
Was wären wir im 21. Jahrhundert ohne unsere Pornos? Geradezu klassisch in diesem Genre sind Szenen, in denen eine Frau von einer Gruppe von Männern benutzt (ein anderes Wort passt gar nicht) wird. Auch dies steht in gewisser Weise auf der Liste, erleben, wie eine Frau nacheinander von mehreren Männern oder auch gleichzeitig von mehreren Männern beglückt wird. Sehen, wie es ihr gefällt und wie sie es genießt im Mittelpunkt zu stehen.

Ein Mann, viele Männer.
Tja... auch diese Szene ist klassisch, wenn auch die (Porno-)zielgruppe eine andere ist. Doch auf gewisse Weise ist dieser Gedanke unter den gleichgeschlechtlichen Fantasien einer der erregendsten: Wie in der Situation davor erfreuen sich mehrere Männer an einer Person, nur ist es in diesem Fall der Autor dieser Zeilen, der im Mittelpunkt steht. Oder liegt. Je nachdem. Dieses Gedankenspiel hat oft sehr raue Züge, wer hätte das gedacht?

Keine Meile ohne Seile
Die Fesselung der Partnerin hat etwas überaus spannendes an sich. Sie fühlt sich der Situation ausgeliefert, was sehr erregend sein kann, für den Fesselnden bedeutet es sowohl Verantwortung als auch die Möglichkeit der Kreativität freien Lauf zu lassen. Ein gut gebundenes und fixiertes Weibchen, die Möglichkeit für ein ausgiebiges Spiel sowohl mit körperlichen Mitteln als auch mit Spielzeugen, jene Vorstellung hat sich ihren Platz auf der Liste redlich verdient.

Der Kampf um die Krone
Das Spiel um die Unterwerfung hat viele Facetten. Die Auseinandersetzung, das Gerangel um die Oberhand, auch wenn der Sieger vielleicht schon feststeht, welch aufregender Einstieg. Ein einvernehmlicher Konflikt zwischen zwei Menschen, bei dem der Verlierer am Ende im wahrsten Sinne gefickt ist... muss man mehr sagen?

Die Gefahr erwischt zu werden.
Wieder eine sehr klassische Fantasie, Zweckentfremdung öffentlicher Orte. Parks, Schwimmbäder, Umkleidekabinen oder auch die „gefährlicheren“ Situationen am Strand, im Zug oder gar in der Kirche... der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Als Variante steht hier das Spiel in der Öffentlichkeit, das mit der Hilfe von Spielzeugen, verstohlenen Berührungen und Worten verborgen abläuft. Eine gewisse Selbstbeherrschung ist vonnöten und schon wieder schleichen sich Dominanzgedanken ein...

Welcher Mann träumt nicht davon?
Zwei attraktive Frauen, die sich miteinander beschäftigen – eine wahre Traumvorstellung. In diesem speziellen Traum sind es auch ganz spezielle Frauen, aber solche Details müssen wahrlich nicht vertieft werden. Hierbei muss man als Mann nicht einmal selbst aktiv ins Geschehen einsteigen, allein dabei zu sein und es mitzuerleben reicht vollkommen aus, zumindest im Kopf des bescheidenen Autors dieser Zeilen.

Der ganze Rest
All jene Sachen, die eben nicht im normalen Liebesspiel enthalten sind und daher Beachtung finden. Spezielle Spielzeuge, die getestet werden. Spezielle Techniken, die getestet oder ausgebaut werden. Situationen, bestimmte Personen, Spiele... und immer wieder so viele Gedanken an BDSM-Aktivitäten in verschiedenen Ausprägungen.

Diese Liste kann nur ein Ausschnitt sein, zu oft wechseln die Bilder, zu häufig laufen andere Filme im Kopfkino. All die kleinen, spannenden, erregenden Dinge finden hier gar keinen Platz, das würde den Rahmen sprengen.
Zudem sollte man diese Liste nicht mit einer Ansammlung von „zu erledigenden“ Dingen verwechseln. Manches ist nur ein Produkt der Fantasie (und wird es vielleicht auch bleiben), doch genug beruht auf gesammelten Erfahrungswerten. Es geht bei dem Thema nicht ums „Abarbeiten“ von Wünschen, es geht darum Spaß zu haben und zu lernen und um die Kombination aus beidem – Lernen, was Spaß macht.
Und, auch wenn wir Menschen es gerne kompliziert angehen und uns Freude und Befriedigung aufgrund seltsamer Ideen oder Meinungen verwehren, wollen wir das nicht eigentlich alle... Spaß haben?

Welche Fantasie beschäftigt dich? Was würde dir Spaß machen?

Dienstag, 4. November 2014

Erklärung

Ich war nicht ganz aufrichtig zu dir. Wir haben es geklärt, wir wollen nicht, dass zwischen uns mehr passiert als das, was schon passierte. Wir sind uns einig. Ich sagte, ich würde es seltsam finden, wenn es passieren würde – an dieser Stelle fehlen Informationen.

Tatsächlich glaube ich, dass eine „friends with benefits“-Sache recht gut funktionieren kann. Ich habe schon oft genug am eigenen Leib erlebt, dass es die Freundschaft eher noch intensiviert ohne etwas kaputt zu machen und ohne dass einer der Beteiligten dabei verletzt wird. Sicherlich kommt auch so etwas vor, aber größtenteils halte ich es für ein Hollywoodklischee.
Zudem, und das habe ich dir sogar gesagt, bist du durchaus sexuell attraktiv für mich. Wie ich dir auch schon mitteilte, gehörst du zu den attraktivsten Personen, die ich kenne, und ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, wie es wohl wäre.

Warum habe ich dennoch keine Anstalten gemacht etwas zu ändern oder mehr in diese Richtung zu investieren, wenn die körperliche Anziehung gegeben ist und wenn ich davon ausgehe, dass ich mit einer lockeren Sache umgehen kann?

Weil ich befürchte, dass du im Gegensatz zu mir nicht damit umgehen kannst... ich habe aus zweiter Hand zu viel Drama in deinem Leben erlebt, zu viel Zerdenken von guten Entwicklungen, zu viel zerbrochenes Glas. Und, auch wenn das hart klingen mag, zu viele reine Lippenbekenntnisse zu nicht-klassischen Beziehungsmodellen und offenen Geschichten, hinter denen sich dann doch wieder Eifersucht und besitzergreifende Gedanken verbargen und die fehlende Bereitschaft die Sache etwas lockerer anzugehen.
An der Stelle kommen wir dann doch wieder in den Klischeebereich des „Etwas kaputt machens“, denn ich will nicht, dass das, was momentan zwischen uns ist, zerstört wird. Die Freundschaft ist mir wichtiger als sexuelle Kompatibilität.

So lange du die Angst in dir trägst, dass eine körperlichere Komponente unserer Freundschaft und Nähe ein Ende setzen wird, so lange werde ich nichts in der Richtung unternehmen, da die Angst eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist.

So lange du ein überdramatisierendes, unentspanntes Verhältnis zu Sex in all seinen Spielarten hast, so lange könnte ich nicht guten Gewissens diesen Weg mit dir zusammen beschreiten. Die Erfahrung der Vergangenheit hat mich gelehrt in solchen Fällen meinem Bauchgefühl zu vertrauen.

Wie kommt es bloß, dass Menschen aus dieser so einfachen und angenehmen Sache, die entspannt, erfreut und befriedigt und zusätzlich Selbstbestätigung und Nähe schenkt, etwas schrecklich Kompliziertes machen?

Dies ist nur eine Erklärung, das mitschwingende Bedauern ist vorhanden, aber nicht dominierend, denn ich bin mit dem Status Quo sehr zufrieden. Dennoch ist dies eine Erklärung, die ich dir wahrscheinlich niemals so geben kann. Da sie dennoch aus meinem Schädel heraus will, schreibe ich sie nieder und platziere sie hier, wo sie ohnehin nicht gelesen wird.